Victoria
Der Abschiedsbrief

Hallo Claudia,
ich weiß nicht ob das treffen am Dienstag auch etwas bei dir ausgelöst hat aber für mich war es
eine negative Erfahrung. Ich habe das Gefühl ich war unhöflich und gemein. Ich wollte eigentlich
ein Gesprech führen, das sich mit dem Ende unsere Beziehung beschäftigt und nicht mit
Smalltalk über was auch immer. Seitdem treffen schlafe ich schlecht bzw. träume komisches
Zeug und deshalb habe ich das Gefühl, dass ich noch ein paar Sachen zu klären habe.

Zuallererst möchte ich mich entschuldigen für die ganze Zeit inder du meine schlechten Launen
abbekommen hast und es ertragen hast ohne zu wissen woran es überhaupt lag. Ich wollte
eigentlich nie, dass jemand darunter leidet aber ich hätte mit dir darüber reden
sollen aber ich konnte das nicht. Ich weiß es nicht woran es lag aber eventuell kam es durch
den Anfang unsere Beziehung wo ich mich zurückgenommen habe um dich aus deinem Loch zu
ziehen und indirekt habe ich mich selber langsam in eins geworfen. Ich versuche das Ganze
aufzuarbeiten um zu verstehen warum aus mir derjenige wurde, der ich geworden bin. Wir hätten
eigentlich darüber reden sollen aber ich wusste zum Teil nicht woher überhaupt diese Stimmungen gekommen sind. Ich kann es nur für das Ende bestimmen. Ich denke es war
Eifersucht darauf, dass du mit deinen Freunden Dinge gemacht hast, die wir früher zusammen
gemacht haben und komplett ausgeschlossen wurde. Aber da waren wir schon so festgefahren,
dass ich nicht mehr darüber reden wollte. Leider waren unsere Gespräche zu diesem Zeitpunkt
schon nur noch Angriffs- und Verteidigungsgespräche. Diese Dinge haben immer mehr eine
Distanz zwischen uns erzeugt und deshalb war es für mich auch immer schwerer mit dir Intim
zu werden.

Am Dienstag wollte ich dir noch sagen, dass es mich freut, das die OP erfolgreich war und du
bald die Welt wieder richtig sehen kannst. Du sahst auch sehr gesund aus. Ich weiß nicht ob
die Bräune von der Sonne kam oder du jetzt immer auf die Sonnenbank gehst aber es steht dir
gut. Vielleicht tut dir auch einfach nur die Trennung gut aber es ist egal was es ist, es freut mich.
Ich muss allerdings ab hier sagen, dass wir vorerst keinen Konakt mehr haben können. Es wühlt
mich zu sehr auf. Ob das bei dir auch so ist oder ob du schon damit abgeschlossen hast und
schon "auf der Suche" bist weiß ich nicht aber für mich sind die Anzeichen dafür da, dass es
mir nicht wirklich gut tut. Ob sich das irgendwann ändert wird sich zeigen.
Ich hoffe für dich, dass du das findest was du bei mir nicht gefunden hast. Einen Kerl der ein
Verständnis für deine Probleme hat, der verstehen kann warum man keine Luft beim Sex
braucht, zu deinem Freundeskreis passt und die Geduldt hat dir Dinge zu erklären, die du
nicht kennst bzw. verstehst.

Ich denke höre jetzt auf zu schreiben, weil sonst hört das Ganze nicht mehr auf und die Zeit
wo ich über meinen Kummer mit dir reden konnte habe ich vertan. Aber ich wollte das du diese
Dinge noch zu lesen bekommst. Falls du noch eine Antwort schreiben willst ist das inordnung
allerdings kann ich nicht versprechen ob ich dann noch Antworten werde oder es nur lesen
werde.
Ich wünsche dir ein gutes weiteres Leben und lass dich nicht von der natürlichen Auslese
einholen und beschleunige das ganze nicht selber zu sehr. Vielleicht trifft man sich irgendwo
nochmal zufällig und ich hoffe dann auf einer angenehmen Ebene.
Lebe wohl
P.S. in deine Tablethülle habe ich kurz nach unsere Trennung noch einen Brief gesteckt.
Kannst ihn lesen oder wegwerfen. Schreiben scheint wohl mein Sprachrohr zu sein für
solche Dinge.


Hallo De****,

zuerst einmal Danke für deine ehrlichen Worte. Das hat mir einige Fragen aus den letzten Monaten und sogar Jahren beantwortet.

Ich war Dienstagabend emotional am Ende. Ich hatte das erste Mal seit langer Zeit wieder richtige Bauchschmerzen. Ich wollte kein anderes Gespräch als Smalltalk, alles andere hätte viel zu sehr geschmerzt und selbst das war hart genug für mich, weil ich dachte, du würdest nicht mal merken, wie du mit mir geredet hast. Ich bin gekommen, weil ich das Gefühl hatte, dass du mir noch was sagen wolltest und nicht, weil ich unbedingt die Wohnung nochmal betreten wollte. Das schlimmste ist wirklich die Wohnung. Da hängt noch so viel Erinnerung und dass kann man auch nicht einfach so überpinseln.

In einem meiner Blogeinträge habe ich mal geschrieben, dass ich dich kaputt gemacht habe, dass ich dich gebrochen habe. Ich erkenne, wenn jemand in einem Loch gefangen ist, aber ebenso gut weiß ich, dass man nicht raus findet, wenn man keine Hilfe zulässt. Als ich den Abgrund hinunter sah, wusste ich genau, dass ich so tief nie wieder fallen wollte und daher baute ich auch innerhalb der Beziehung eine Distanz zu dir auf. Ich wünschte wirklich, dass du einfach mal mit mir gesprochen hättest und zwar frühzeitig und nicht, als es schon zu spät war. Ich suchte mir Freunde, mit denen ich über die Beziehung sprechen konnte. Mit meinen Ideen kam ich bei dir nicht weiter und meine Erklärungen für das ein oder andere Benehmen wurden immer abstruser und verwirrter. Ich wusste nur eins. Das ist es nicht.

Ich suchte den Abstand, um nochmal alles zu überdenken, deine Reaktionen abzuwarten, aber da kam nichts, gar nichts. Ich erinnere mich gut, dass ich dich mehrmals gefragt habe, was los ist. Du hast deine Antworten immer sehr kurz gehalten und so wusste ich, du willst nicht drüber reden. Dabei kann man eigentlich mit mir sehr gut darüber reden und wenn ich es nicht war, warum hast du dir nicht jemanden gesucht, mit dem du hättest reden können? Du hast schon so vielen Menschen geholfen und irgendwann bist du mal dran, der Hilfe braucht. Eine Freundschaft besteht aus einem geben und nehmen und wenn Freunde nicht dazu bereit sind, waren sie nie deine Freunde.

Meine Hautfarbe ist echt. Ist aber auch nicht sehr verwunderlich, wenn man drei Wochen in der Eifel rumgammelt und nichts machen kann, wenn man nichts sieht. Da sitzt man halt viel draußen und gibt sich seiner Sucht hin. Die Farbe kommt dann von ganz alleine und ja, mir geht es an sich gut. Meine Freunde leisten ganze Arbeit und ich wusste auch gar nicht, dass ich so viele Freunde habe, die wirklich zu mir kommen und wirklich wissen wollen wie es mir geht, mit denen ich sogar sprechen kann und sagen kann, was ich fühle. Meine neue Lebenseinstellung ist, entweder man akzeptiert mich mit meiner Geschichte, mit meinen Gesichtern und mit meiner schwierigen Art oder man lässt es. Wenn einem das alles irgendwann egal ist, ist man überrascht, dass es Menschen gibt, die Verständnis zeigen, die sogar mehr Vertrauen in dich haben und die zu dir halten. Masken zu tragen wird auf Dauer zu anstrengend und ich bin froh, meine abgelegt zu haben.

Mir hat der Kontakt, die E-Mail und der Brief auch nicht gut getan. Das hat mich wirklich getroffen und mich zu Tränen getrieben und auch aufgewühlt. Es ist einfacher eine Trennung zu akzeptieren, wenn man nicht die ganze Zeit darüber nachdenkt, was falsch gelaufen ist, was man hätte besser machen können und man fragt sich auch die ganze Zeit: Warum um Himmels Willen kommen die Gefühle auf die man über 9 Jahre gewartet hat erst jetzt? Musste dafür wirklich eine Trennung nötig sein, damit man einmal gesagt bekommt, dass man jemanden aufrichtig geliebt hat?

Ich weiß, dass in dir sehr viel Potential steckt, dass du lieben kannst, dass du Menschen zum Lachen bringen kannst, dass du anpassungsfähig bist und das du einen gewissen Grad an Intelligenz hast, sonst hätte ich dir niemals eine Chance gegeben, mich zu lieben. Aber verdammt noch mal benutze deine Skills endlich mal. Am Anfang unserer Beziehung haben wir so viel zusammen gemacht. Auch viel mit Freunden und dass hat mir am Meisten gefehlt. Freunde. Ich brauche Menschen um mich rum. Zweisamkeit ist auch schön, aber auf Dauer zu wenig. Ich hole gerade ein Teil meiner Jugend nach. Ohne mir andauernd den Kopf über meinen Selbsthass und Selbstzerstörung zu zerbrechen. Ich versuche gerade meinen Alltag mit Beschäftigungen zu füllen. Bisher gelingt mir das ganz gut und das Kochbuch habe ich auch schon bevor ich den Brief gelesen haben weiter geführt.

Die Trennung ist zwar hart, aber jetzt muss ich endlich nochmal meinen eigenen Arsch bewegen, wenn ich etwas tun möchte. Ich versuche das wenigstens ein Stück weit positiv zu sehen. Das hört sich zwar sehr traurig an, aber man kann an sowas nur wachsen.

Ich hoffe sehr, dass du dein Leben wieder auf die Reihe kriegst und dir die Hilfe suchst, die du brauchst. Ich weiß, dass du das am liebsten immer alles mit dir selbst ausmachst, dass haben schon viele Menschen vor dir versucht, aber manchmal ist man einfach so tief gefallen, dass man einen Anstoß braucht, um wieder auf die Beine zu kommen.

In diesem Sinne hoffe ich sehr, dass wir uns in besseren Zeiten wieder sehen und ich hoffe sehr, dass es irgendwann wieder eine Zeit gibt, in der wir ein normales Gespräch führen können.

Meine Hoffnung stirbt zu Letzt und ich halte daran fest. Meine Türe ist nie verschlossen, man sollte nur vorher mal kurz anklopfen.

An dieser Stelle findest du kein „Lebe wohl“, weil das immer so endgültige Verabschiedungen sind.
13.7.17 21:28


Berauschend

Welch naive Vorstellung von mir, dass sich irgendetwas verändert haben könnte. Ich war heute noch einmal bei meinem Exfreund, um ihm den Schlüssel seiner Wohnung zurück zu geben. Er war noch nicht da, als ich nach der Arbeit zu ihm gefahren bin. Die Wohnung war aufgeräumt. Fast schon unheimlich. Aber vll weil er wusste, dass ich vorbei kam.

De**** kam die Türe hinein. Müde vom Arbeiten, so wie immer und doch anders. Er wirkte leicht gereizt. Ich fragte quasi normale Sachen, wie z.B. wie war die Arbeit, erzählte ein bisschen von mir, fragte ein bisschen nach ihm. Das war zu viel, für ihn, für mich. Die Inhalte waren es nicht, die mich störten, eher der Ton, den für ihn scheinbar in meiner Anwesenheit normal geworden ist, über die Jahre.

Lange Zeit konnte ich gut ignorieren, wenn er pampige Antworten gab. In einer Beziehung ist das halt manchmal so, wenn man nicht gut drauf ist. Aber nach einer Trennung? Ich habe immerhin ihm die Wahl gelassen, ob ich den Schlüssel persönlich vorbei bringen soll, oder ob ich ihn einfach in den Briefkasten werfen soll. Im Nachhinein bereue ich es, dass ich nicht Letzteres für mich entschieden habe.

Ich habe gedacht, dass wir erwachsen sind, dass man vielleicht ein höfliches Gespräch hinbekommt. Das ist maßlos gescheitert. Danach war ich wirklich sehr traurig, dass sich diese Türe wohl für immer geschlossen hat. Ich sah blanken Hasse un Wut in seinen Augen stehen. Aber vielleicht braucht das einfach noch mehr Zeit ...

Wir waren über 9 Jahre zusammen, sind zusammen erwachsen geworden, haben viel durchgemacht. Vielleicht haben die letzten 3 Jahre Beziehung einen normalen Umgangston kaputt gemacht. Vielleicht hätte man schon vorher einen Schlussstrich ziehen sollen. Aber gut, besser spät als nie. Ich weiß, dass es die richtige Entscheidung war, dass wir uns eigentlich nur noch gegenseitig auf den Sack gegangen sind.

Aber jetzt breitet sich nach der Trauer um einen Freud auch bei mir einen Hass auf diesen Menschen aus. Ich will das eigentlich gar nicht. Aber leider sind es die einzigen Menschen die ich hassen kann, wenn ich sie mal wirklich geliebt habe.

Heute hatte ich auch das erste mal seit langem wieder richtig Bauchschmerzen. Jetzt wünsche ich mir wirklich einen Ch*** herbei. Seine Anwesenheit hat immer so eine beruhigende und berauschende Wirkung auf mich. Schade, dass wir uns erst Ende des Monats wieder sehen. Ich hoffe er kommt heile vom Garda See (=Betriebsausflug) zurück. Dann geht es mir wieder Besser...
11.7.17 23:51


Wer weiß schon was in der Zukunft liegt, aber die Vergangenheit ist Geschichte.
4.7.17 00:33


Einfach nur die Worte "ich bin so geil auf dich" geben mir Bestätigung, um eine Woche durchzuhalten. Danke.
3.7.17 14:45


Meine kleine Wolkenfabrik

Ich liebe Rauch. Nicht vom Geruch her, aber ich sehe ihm gerne hinterher, wenn er verfliegt. Und was ist nun, wenn man flauschige Wolken damit herstellen kann. Richtig, ich wollte auch diese tollen weißen Wolken herstellen können und hauptsächlich deswegen, weil ich den Wolken noch viel mehr beim Tanzen zusehen kann.

Ich liebe meine kleine Dampfe. Der Geschmack ist recht süßlich mit leichter Mentholerfrischung beim Ausatmen. Mein Nikotingehalt ist relativ hoch. Ich bin die Dosis von Ch*** gewöhnt. Ich rauche momentan zu viel. Halte mich nicht mehr an meine Prinzipien. Dafür gibt es einfach keinen Grund mehr.

Dampfen hat mehrere Vorteile für mich. Man riecht nicht mehr nach Rauch und man hat keine Beweise mehr, die man vernichten muss. Ein kleiner Nebeneffekt ist der, dass es angeblich gesünder sein soll, wobei ich das doch sehr bezweifel. Alleine auf den Nikotin-Flächen schaut mich ein Totenkopf an, der meine Theorie bestätigt.

Ch*** hatte nur den Einfall, noch zum "Zebra" (=Dampfshop) zu fahren, weil er sowieso noch Liquid brauchte und er wusste, dass ich mir sicher eine Dampfe kaufe, da ich erstens keine Geldprobleme habe und zweitens nach meiner Zigarette eh zu seiner Dampfe griff.

Wir wollten eigentlich ein ganzes Wochenende lang verbringen. Aber einer guten Freundin von ihm ging es schlecht und ihr Freund war derzeit im KH, so dass er nach ihr sehen musste. An sich komme ich mit Do** auch gut zurecht. aber in den schlechten Tagen von ihr, ist ihr zu viel Gesellschaft nicht recht. Das verstehe ich auch.

Auch wenn er mir die Dampfe nicht geschenkt hat, habe ich dennoch das Gefühl, dass sie uns irgendwie verbindet. Ich habe an sich auch nur das Gerät an sich bezahlt. Liquid hat er mir von sich gegeben und ich sollte mir noch eins aussuchen, dass er auch bezahlt hat. Ich bin momentan total verwirrt, dass ich quasi das ganze Wochenende noch nichts für meine Ausgaben bezahlt habe. Eigentlich ist mir das gar nicht recht, alles bezahlt zu bekommen, aber zurzeit genieße ich das, weil ich das noch nie hatte <3

Macht ein Mensch sowas, wenn keine Liebe dahinter stecken könnte? Macht ein Mann sowas, wenn er nur Sex haben will? Das glaube ich nicht. Wie habe ich mit Joh*** am Donnerstag noch gewitzelt: "Vertraue in das Universum, wenn für dich ein Gott sowieso nicht existiert."

Ja, das hört sich gut an. Ich glaube gerne an ein Schicksal. Oder hoffe wenigstens, dass das eintritt, wenn man nur feste daran glaubt. Der Glaube an das Immunsystem lässt einen auch weniger krank werden und hilft beim Genesungsweg. Der Glaube an sich kann Berge versetzen.

Lange Zeit habe ich überlegt, an wen oder was man glauben kann. In der Kindheit sind es die Eltern, in der Jugend sind es die Freunde und im Alter? Irgendwann begreift man, dass man sich einzig und alleine nur auf sich selber verlassen kann, dass man an sich selber glauben muss, da niemand anderes mehr auf dich baut. Man hat Weggefährten, ob Partner, Freund oder Freundin. Aber in den dunkelsten Tagen weißt du vorher nicht, wer am Ende noch bleibt.

Das Leben lernt dich misstrauisch zu werden. Bei meinem Vater habe ich meistens den Eindruck, dass er schon leicht paranoid ist, was das angeht. So schlechte Erfahrung habe ich bisher noch nicht gemacht. Aber vielleicht liegt das auch daran, das ich ein sehr naiver Mensch bin. Ich lasse viele Dinge durchgehen, einfach um keinen Streit zu provozieren. Dafür ist mir das Leben und meine Gesundheit zu kostbar. Ich denke mir jedes mal "dann soll es halt nicht so sein".

Ich kann mich nicht so gut selbst beschäftigen. Aber das ist ein guter Augenblick, um das zu lernen. Ich denke, dass man alles lernen kann oder zumindest einen Versuch wagen sollte. In den Tagen wo niemand mehr für dich da ist, ist so eine Eigenschaft sehr Hilfreich.

Die Wohnungssuche habe ich erst mal auf Eis gelegt. Da am 1. September sowieso meine zweite Augen-OP ansteht und ich einen Fahrer unter der Woche brauche, ist es einfach nur Sinnvoll, so lange wenigstens bei meinen Eltern zu wohnen. Sobald ich wieder arbeiten gehe, wird die Zeit sowieso wieder erträglicher. Am Wochenende bin ich meistens unterwegs und unter der Woche habe ich auch noch vor, einige von meinen Freunden zu besuchen.

Ch*** ist vom 12.07. bis zum 23.07. vom Betrieb aus erst mal unterwegs. Das sind dann knapp drei Wochen, die wir uns nicht sehen werden. Termin am 28.07. in der Stadt zusammen mit Freunden ist schon gesichert.

Er hat mich auch schon im August zu einer Freundin zum Geburtstag als Begleitung eingetragen. Ich denke, er hofft genauso wie ich, dass das mit uns beiden etwas gibt.

Ich stelle mir meine Lebenssituation immer wie eine Pflanze vor. Ein Samen, der angefangen hat zu Keimen, das erste Blatt langsam die Oberfläche erreicht und Sichtbar wird, nicht nur für uns beide. Eine kleine Pflanze muss gepflegt werden, beschützt werden, muss halt in den Boden, in das Fundament finden und ich denke erst dann kann man von einer Partnerschaft sprechen.

Vorher ist das genießen und das gegenseitige finden ein Reifungsprozess, der stattfinden muss. Er hat viel scheiße erlebt und Angst und ich kann mich von meiner Angst eben sowenig frei sprechen.

"Ich glaube an das Universum und eigentlich glaube ich lediglich an mich"
2.7.17 19:38


Blauer Rauch

Es ist schon komisch, wie schnell sich neue Türen öffnen lassen. Ich habe das Gefühl, dass sich da langsam etwas entwickelt, was ich bisher nicht für möglich gehalten habe.

Ich mag die Art der Unterhaltung. In keinster Weise habe ich mehr das Gefühl, ein nervtötender Parasit zu sein. Meine Verantwortung habe ich hier im Urlaub erstmal abgelegt. Ich bringe mein Leben erst mal wieder auf die Reihe und eine Wochenendbeziehung zu führen, ist auch erst mal nicht das schlimmste, was passieren kann.

Meine Eltern sind zwar in keinster Weise mehr belastbar, aber das ist okay. Damit komme ich klar. Es ist schon gut, dass sie nicht alles wissen. Was sie ahnen, ist nur Bettgeflüster und in keinster Weise belastend. Das ist für mich okay.

Helikoptereltern wollen doch eigentlich nur das BESTE für den Nachwuchs. Wenn man jede Entscheidung abgenommen bekommt, macht man den Nachwuchs unmündig. Und warum sollte man das aus eigenen Willen ändern wollen.

Ich bin ein sehr fauler Mensch. Und diese Art und Weise lässt einen noch mehr in eine schwebe Fallen. Eingepackt in Watte und Wolle.

Das will ich nicht mehr. Mit 27 Jahren sollte man für sein Leben selbst die Verantwortung tragen können. Selber jede Entscheidung fällen lernen.

Ein paar Monate sind okay. Aber länger auf gar keinen Fall.

Heute Morgen habe ich mir ein Brillengestell ausgesucht. Ich mag den Teil aus dunklem Holz daran, der dann in ein "Blumenmuster" übergeht. Es hat etwas mit Leben zu tun. Aus tot wird Lebendig. Es hält zusammen.

Nächste Woche wird mein Auge dann soweit ausgemessen, damit mir das Lesen für den Übergang zum eigentlichen Sehen einfacher fällt. Sechs Wochen ganz ohne Lesen oder halt nur mit Mühe und Not, ist wie eine Amputation eines Sinnesorgans.

Morgen ist der letzte Akt des Stückes "Umzug". Die letzten Möbel werden aus der Stadt in die ländliche Einöde transportiert. Ich bin froh, wenn das endlich vorbei ist. Umziehen gehört mit zu den Top 10 der meist gehassten Unternehmungen von mir.

Als De**** hört, dass wir uns Morgen nicht mehr sehen, spürte ich schon eine leichte Enttäuschung. Dabei dachte ich eigentlich, dass ihm das nicht schnell genug gehen würde, aus seinem Leben zu verschwinden. Wir führen mittlerweile halbwegs normale Dialoge umd den Ablauf zu organisieren. Ich werde ihn noch einmal bei der Schlüsselübergabe sehen und mich dann aus seinem Leben zu verabschieden.

Das wird sicher wieder ein harter, schmerzvoller Tag werden. 9 Jahre gehen nicht einfach so an einem vorüber. Das schmerzlichste an der Sache ist, dass man nicht weiß, ob man sich danach jemals nochmal wieder sieht. Wir haben keinen gemeinsamen Freundeskreis und keine gemeinsamen Interessen. Sehen auf ungefähr, funktioniert einfach nicht.

Ich will, dass es ihm gut geht, will, dass er sein Leben auf die Reihe bekommt und das er wieder eine Freundin findet, die ihm gut tut, die ihm Freude bereitet und das er mich einfach vergisst. Ich glaube, dass das das Beste für ihn ist.

Er ist ein netter Kerl, hat ganz sicher seine Qualitäten und ich denke es gibt auch Menschen, die er auf seine Art und Weise glücklich machen kann. Ich gehöre allerdings nicht dazu. Zumindest nicht auf der Beziehungsebene.

Ich will in Frieden gehen können, ohne Hass, ohne Aggression, ohne Wut im Bauch. Ich will einen schönen Abschluss haben, sofern das in einer Trennung möglich sein kann. Das ist mein Wunsch, für den Schluss.

Damit kann ich arbeiten, damit kann ich Leben. Ich will mir nichts vormachen und sagen, irgendwann wird daraus eine wunderbare Freundschaft. Das wird nicht funktionieren, das hat noch nie funktioniert. Aber ich hätte gerne ein Feedback, ob es ihm gut geht, ob er klar kommt. Er hat nur so wenige Freunde.

Die Schuld werde ich wohl ewig tragen, dass Gefühl zu haben, ihm im Stich gelassen zu haben.

Zigarette an.

Ich muss aufpassen, dass die Sucht nicht zu meinem größten Begleiter in meiner Zukunft wird. De**** war bisher immer der Anker und der Anstoß die Sucht im Schacht zu halten. Heute denke ich mir wozu?

Der Mensch ist sowieso schon so vergiftet von seiner Industrie, von seinen Nahrungsmitteln, sogar die Luft die wir atmen vergiftet uns. Der ganze Alltags-Smog und Stresspegel ist Gift für uns. Hier eine gesunde Balance zu finden ist das A und O im Leben.

Noch ein Zug, noch ein Zug, noch ein Zug.

Gedankensturz. Nicht zu viel drüber nachdenken. Das zieht einen runter, runter, runter. Im hier und jetzt Leben, nicht an die ferne Zukunft denken, nicht an die Patienten denken, die dir jeden Tag auf der Arbeit begegnen. Im Alter kann die alles passieren. Was macht da schon die ein oder andere Zigarette mehr oder weniger aus?

Lebensqualität ist für mich gerade ohne Bauchschmerzen ins Bett gehen zu können. Eine gute Nacht gewünscht bekommen und zu wissen, dass es dem anderen genau so schwer fällt, sich gegenseitig nicht sehen zu können.

Ich freue mich riesig, als Begleitung auf einen Geburtstag mitgenommen zu werden, einfach nur um ein bisschen mehr Zeit miteinander verbringen zu können. Das bedeutet mir viel. Ich hoffe nicht zu viel.

Ich will mich nicht Reinsteigern, der Fall wäre zu tief. Ich will nur das Beste hoffen und auf meinen Bauch ausnahmsweise mal vertrauen. Das ist das erste mal, dass ich das mache. Normalerweise übernimmt mein Verstand die Überhand und bisher hat mir das nicht weiter gebracht im Leben.

Versaue es nicht, lass dich nicht täuschen. Das ist leichter gesagt als getan.

Mit rosaroter Brille einfach mal durchstarten.

Ausdrücken; schlafen gehen. Gute Nacht Welt.
27.6.17 23:01


klarer Durchblick

Es war klar, dass die myotone Dystrophie Typ I mich irgendwann einholt. Bei mir sind die Augen betroffen. Diagnose: Katarakt (=grauer Starr).

Die erste OP war am 20.06. rechtes Auge. Die OP ist wirklich gut verlaufen. Ich war die ganze Operation über wach. Ich dachte eigentlich, dass ich vorher sehr aufgeregt bin oder schon fast panisch bin. Aber was war: ich war die Ruhe selbst.

Ich hätte meine Mutter nur fast erschlagen können. Die ist rumgelaufen wie ein aufgescheuchtes Huhn. Aber ich fand die Vorstellung eher amüsant. Aufgeregt hat mich nichts. Ich war die Ruhe selbst. Ich weiß nicht, was mir so sehr die Angst genommen hat. Vielleicht lag es an den netten Ärzten und Pflegern. So etwas kennt man gar nicht aus einer Uniklinik, in der es um Leistung geht.

Bisher ist der Heilungsprozess sehr gut. Es ergab keinen kleinen Bluterguss unter meinem Auge und innerlich scheint auch keine Entzündung vorzuliegen. Ich muss 4 mal am Tag Antibiotika ins Auge tropfen (=Präventiv) und Abends noch eine Creme ins Auge machen.

Die größte Einschränkung ist der Autofahrverbot. Ich habe zu Hause kaum Freunde und ich will meine Eltern auch nicht bitten mich nach Aachen oder andere Orte zu bringen. Zudem soll ich mich auch noch schonen. Ich denke man ist nicht umsonst fast 3 Wochen krank geschrieben.

Aber ich bin so begeistert von meinem neuen Augen. Ich sehe klare bunte Farben. Farben so wie ich gefühlt noch nie wahrnehmen konnte. Das ist so ein schönes Gefühl. Menschen sehe ich nun ein wenig anders. Ich kann die Poren sehen und die kleinsten Unebenheiten auf der Haut.

Selbst kleine Schmutzpartikel auf dem Boden fallen mir auf. Ich kann den Vergleich heute noch machen mit meinem noch nicht operierten Auge. Ich dachte wirklich immer, dass ich mit meinem linken Auge noch echt gut sehen konnte.

Da lag ich weeeeeit daneben.

Ein Unterschied wie Tag und Nacht. Endlich kein Nebel mehr, endlich Durchblick und bald eine Brille, damit ich im Leben so einiges klarer sehen kann.

Aus diesem Grund freue ich mich auf ein Gestell, welches mich in den Club der Brillenschlangen eintreten lässt.

Erster Punkt meines neuen Lebens: klarer Durchblick!
25.6.17 20:35


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