Victoria
Blauer Rauch

Es ist schon komisch, wie schnell sich neue Türen öffnen lassen. Ich habe das Gefühl, dass sich da langsam etwas entwickelt, was ich bisher nicht für möglich gehalten habe.

Ich mag die Art der Unterhaltung. In keinster Weise habe ich mehr das Gefühl, ein nervtötender Parasit zu sein. Meine Verantwortung habe ich hier im Urlaub erstmal abgelegt. Ich bringe mein Leben erst mal wieder auf die Reihe und eine Wochenendbeziehung zu führen, ist auch erst mal nicht das schlimmste, was passieren kann.

Meine Eltern sind zwar in keinster Weise mehr belastbar, aber das ist okay. Damit komme ich klar. Es ist schon gut, dass sie nicht alles wissen. Was sie ahnen, ist nur Bettgeflüster und in keinster Weise belastend. Das ist für mich okay.

Helikoptereltern wollen doch eigentlich nur das BESTE für den Nachwuchs. Wenn man jede Entscheidung abgenommen bekommt, macht man den Nachwuchs unmündig. Und warum sollte man das aus eigenen Willen ändern wollen.

Ich bin ein sehr fauler Mensch. Und diese Art und Weise lässt einen noch mehr in eine schwebe Fallen. Eingepackt in Watte und Wolle.

Das will ich nicht mehr. Mit 27 Jahren sollte man für sein Leben selbst die Verantwortung tragen können. Selber jede Entscheidung fällen lernen.

Ein paar Monate sind okay. Aber länger auf gar keinen Fall.

Heute Morgen habe ich mir ein Brillengestell ausgesucht. Ich mag den Teil aus dunklem Holz daran, der dann in ein "Blumenmuster" übergeht. Es hat etwas mit Leben zu tun. Aus tot wird Lebendig. Es hält zusammen.

Nächste Woche wird mein Auge dann soweit ausgemessen, damit mir das Lesen für den Übergang zum eigentlichen Sehen einfacher fällt. Sechs Wochen ganz ohne Lesen oder halt nur mit Mühe und Not, ist wie eine Amputation eines Sinnesorgans.

Morgen ist der letzte Akt des Stückes "Umzug". Die letzten Möbel werden aus der Stadt in die ländliche Einöde transportiert. Ich bin froh, wenn das endlich vorbei ist. Umziehen gehört mit zu den Top 10 der meist gehassten Unternehmungen von mir.

Als De**** hört, dass wir uns Morgen nicht mehr sehen, spürte ich schon eine leichte Enttäuschung. Dabei dachte ich eigentlich, dass ihm das nicht schnell genug gehen würde, aus seinem Leben zu verschwinden. Wir führen mittlerweile halbwegs normale Dialoge umd den Ablauf zu organisieren. Ich werde ihn noch einmal bei der Schlüsselübergabe sehen und mich dann aus seinem Leben zu verabschieden.

Das wird sicher wieder ein harter, schmerzvoller Tag werden. 9 Jahre gehen nicht einfach so an einem vorüber. Das schmerzlichste an der Sache ist, dass man nicht weiß, ob man sich danach jemals nochmal wieder sieht. Wir haben keinen gemeinsamen Freundeskreis und keine gemeinsamen Interessen. Sehen auf ungefähr, funktioniert einfach nicht.

Ich will, dass es ihm gut geht, will, dass er sein Leben auf die Reihe bekommt und das er wieder eine Freundin findet, die ihm gut tut, die ihm Freude bereitet und das er mich einfach vergisst. Ich glaube, dass das das Beste für ihn ist.

Er ist ein netter Kerl, hat ganz sicher seine Qualitäten und ich denke es gibt auch Menschen, die er auf seine Art und Weise glücklich machen kann. Ich gehöre allerdings nicht dazu. Zumindest nicht auf der Beziehungsebene.

Ich will in Frieden gehen können, ohne Hass, ohne Aggression, ohne Wut im Bauch. Ich will einen schönen Abschluss haben, sofern das in einer Trennung möglich sein kann. Das ist mein Wunsch, für den Schluss.

Damit kann ich arbeiten, damit kann ich Leben. Ich will mir nichts vormachen und sagen, irgendwann wird daraus eine wunderbare Freundschaft. Das wird nicht funktionieren, das hat noch nie funktioniert. Aber ich hätte gerne ein Feedback, ob es ihm gut geht, ob er klar kommt. Er hat nur so wenige Freunde.

Die Schuld werde ich wohl ewig tragen, dass Gefühl zu haben, ihm im Stich gelassen zu haben.

Zigarette an.

Ich muss aufpassen, dass die Sucht nicht zu meinem größten Begleiter in meiner Zukunft wird. De**** war bisher immer der Anker und der Anstoß die Sucht im Schacht zu halten. Heute denke ich mir wozu?

Der Mensch ist sowieso schon so vergiftet von seiner Industrie, von seinen Nahrungsmitteln, sogar die Luft die wir atmen vergiftet uns. Der ganze Alltags-Smog und Stresspegel ist Gift für uns. Hier eine gesunde Balance zu finden ist das A und O im Leben.

Noch ein Zug, noch ein Zug, noch ein Zug.

Gedankensturz. Nicht zu viel drüber nachdenken. Das zieht einen runter, runter, runter. Im hier und jetzt Leben, nicht an die ferne Zukunft denken, nicht an die Patienten denken, die dir jeden Tag auf der Arbeit begegnen. Im Alter kann die alles passieren. Was macht da schon die ein oder andere Zigarette mehr oder weniger aus?

Lebensqualität ist für mich gerade ohne Bauchschmerzen ins Bett gehen zu können. Eine gute Nacht gewünscht bekommen und zu wissen, dass es dem anderen genau so schwer fällt, sich gegenseitig nicht sehen zu können.

Ich freue mich riesig, als Begleitung auf einen Geburtstag mitgenommen zu werden, einfach nur um ein bisschen mehr Zeit miteinander verbringen zu können. Das bedeutet mir viel. Ich hoffe nicht zu viel.

Ich will mich nicht Reinsteigern, der Fall wäre zu tief. Ich will nur das Beste hoffen und auf meinen Bauch ausnahmsweise mal vertrauen. Das ist das erste mal, dass ich das mache. Normalerweise übernimmt mein Verstand die Überhand und bisher hat mir das nicht weiter gebracht im Leben.

Versaue es nicht, lass dich nicht täuschen. Das ist leichter gesagt als getan.

Mit rosaroter Brille einfach mal durchstarten.

Ausdrücken; schlafen gehen. Gute Nacht Welt.
27.6.17 23:01
 
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