Victoria
Der Abschiedsbrief

Hallo Claudia,
ich weiß nicht ob das treffen am Dienstag auch etwas bei dir ausgelöst hat aber für mich war es
eine negative Erfahrung. Ich habe das Gefühl ich war unhöflich und gemein. Ich wollte eigentlich
ein Gesprech führen, das sich mit dem Ende unsere Beziehung beschäftigt und nicht mit
Smalltalk über was auch immer. Seitdem treffen schlafe ich schlecht bzw. träume komisches
Zeug und deshalb habe ich das Gefühl, dass ich noch ein paar Sachen zu klären habe.

Zuallererst möchte ich mich entschuldigen für die ganze Zeit inder du meine schlechten Launen
abbekommen hast und es ertragen hast ohne zu wissen woran es überhaupt lag. Ich wollte
eigentlich nie, dass jemand darunter leidet aber ich hätte mit dir darüber reden
sollen aber ich konnte das nicht. Ich weiß es nicht woran es lag aber eventuell kam es durch
den Anfang unsere Beziehung wo ich mich zurückgenommen habe um dich aus deinem Loch zu
ziehen und indirekt habe ich mich selber langsam in eins geworfen. Ich versuche das Ganze
aufzuarbeiten um zu verstehen warum aus mir derjenige wurde, der ich geworden bin. Wir hätten
eigentlich darüber reden sollen aber ich wusste zum Teil nicht woher überhaupt diese Stimmungen gekommen sind. Ich kann es nur für das Ende bestimmen. Ich denke es war
Eifersucht darauf, dass du mit deinen Freunden Dinge gemacht hast, die wir früher zusammen
gemacht haben und komplett ausgeschlossen wurde. Aber da waren wir schon so festgefahren,
dass ich nicht mehr darüber reden wollte. Leider waren unsere Gespräche zu diesem Zeitpunkt
schon nur noch Angriffs- und Verteidigungsgespräche. Diese Dinge haben immer mehr eine
Distanz zwischen uns erzeugt und deshalb war es für mich auch immer schwerer mit dir Intim
zu werden.

Am Dienstag wollte ich dir noch sagen, dass es mich freut, das die OP erfolgreich war und du
bald die Welt wieder richtig sehen kannst. Du sahst auch sehr gesund aus. Ich weiß nicht ob
die Bräune von der Sonne kam oder du jetzt immer auf die Sonnenbank gehst aber es steht dir
gut. Vielleicht tut dir auch einfach nur die Trennung gut aber es ist egal was es ist, es freut mich.
Ich muss allerdings ab hier sagen, dass wir vorerst keinen Konakt mehr haben können. Es wühlt
mich zu sehr auf. Ob das bei dir auch so ist oder ob du schon damit abgeschlossen hast und
schon "auf der Suche" bist weiß ich nicht aber für mich sind die Anzeichen dafür da, dass es
mir nicht wirklich gut tut. Ob sich das irgendwann ändert wird sich zeigen.
Ich hoffe für dich, dass du das findest was du bei mir nicht gefunden hast. Einen Kerl der ein
Verständnis für deine Probleme hat, der verstehen kann warum man keine Luft beim Sex
braucht, zu deinem Freundeskreis passt und die Geduldt hat dir Dinge zu erklären, die du
nicht kennst bzw. verstehst.

Ich denke höre jetzt auf zu schreiben, weil sonst hört das Ganze nicht mehr auf und die Zeit
wo ich über meinen Kummer mit dir reden konnte habe ich vertan. Aber ich wollte das du diese
Dinge noch zu lesen bekommst. Falls du noch eine Antwort schreiben willst ist das inordnung
allerdings kann ich nicht versprechen ob ich dann noch Antworten werde oder es nur lesen
werde.
Ich wünsche dir ein gutes weiteres Leben und lass dich nicht von der natürlichen Auslese
einholen und beschleunige das ganze nicht selber zu sehr. Vielleicht trifft man sich irgendwo
nochmal zufällig und ich hoffe dann auf einer angenehmen Ebene.
Lebe wohl
P.S. in deine Tablethülle habe ich kurz nach unsere Trennung noch einen Brief gesteckt.
Kannst ihn lesen oder wegwerfen. Schreiben scheint wohl mein Sprachrohr zu sein für
solche Dinge.


Hallo De****,

zuerst einmal Danke für deine ehrlichen Worte. Das hat mir einige Fragen aus den letzten Monaten und sogar Jahren beantwortet.

Ich war Dienstagabend emotional am Ende. Ich hatte das erste Mal seit langer Zeit wieder richtige Bauchschmerzen. Ich wollte kein anderes Gespräch als Smalltalk, alles andere hätte viel zu sehr geschmerzt und selbst das war hart genug für mich, weil ich dachte, du würdest nicht mal merken, wie du mit mir geredet hast. Ich bin gekommen, weil ich das Gefühl hatte, dass du mir noch was sagen wolltest und nicht, weil ich unbedingt die Wohnung nochmal betreten wollte. Das schlimmste ist wirklich die Wohnung. Da hängt noch so viel Erinnerung und dass kann man auch nicht einfach so überpinseln.

In einem meiner Blogeinträge habe ich mal geschrieben, dass ich dich kaputt gemacht habe, dass ich dich gebrochen habe. Ich erkenne, wenn jemand in einem Loch gefangen ist, aber ebenso gut weiß ich, dass man nicht raus findet, wenn man keine Hilfe zulässt. Als ich den Abgrund hinunter sah, wusste ich genau, dass ich so tief nie wieder fallen wollte und daher baute ich auch innerhalb der Beziehung eine Distanz zu dir auf. Ich wünschte wirklich, dass du einfach mal mit mir gesprochen hättest und zwar frühzeitig und nicht, als es schon zu spät war. Ich suchte mir Freunde, mit denen ich über die Beziehung sprechen konnte. Mit meinen Ideen kam ich bei dir nicht weiter und meine Erklärungen für das ein oder andere Benehmen wurden immer abstruser und verwirrter. Ich wusste nur eins. Das ist es nicht.

Ich suchte den Abstand, um nochmal alles zu überdenken, deine Reaktionen abzuwarten, aber da kam nichts, gar nichts. Ich erinnere mich gut, dass ich dich mehrmals gefragt habe, was los ist. Du hast deine Antworten immer sehr kurz gehalten und so wusste ich, du willst nicht drüber reden. Dabei kann man eigentlich mit mir sehr gut darüber reden und wenn ich es nicht war, warum hast du dir nicht jemanden gesucht, mit dem du hättest reden können? Du hast schon so vielen Menschen geholfen und irgendwann bist du mal dran, der Hilfe braucht. Eine Freundschaft besteht aus einem geben und nehmen und wenn Freunde nicht dazu bereit sind, waren sie nie deine Freunde.

Meine Hautfarbe ist echt. Ist aber auch nicht sehr verwunderlich, wenn man drei Wochen in der Eifel rumgammelt und nichts machen kann, wenn man nichts sieht. Da sitzt man halt viel draußen und gibt sich seiner Sucht hin. Die Farbe kommt dann von ganz alleine und ja, mir geht es an sich gut. Meine Freunde leisten ganze Arbeit und ich wusste auch gar nicht, dass ich so viele Freunde habe, die wirklich zu mir kommen und wirklich wissen wollen wie es mir geht, mit denen ich sogar sprechen kann und sagen kann, was ich fühle. Meine neue Lebenseinstellung ist, entweder man akzeptiert mich mit meiner Geschichte, mit meinen Gesichtern und mit meiner schwierigen Art oder man lässt es. Wenn einem das alles irgendwann egal ist, ist man überrascht, dass es Menschen gibt, die Verständnis zeigen, die sogar mehr Vertrauen in dich haben und die zu dir halten. Masken zu tragen wird auf Dauer zu anstrengend und ich bin froh, meine abgelegt zu haben.

Mir hat der Kontakt, die E-Mail und der Brief auch nicht gut getan. Das hat mich wirklich getroffen und mich zu Tränen getrieben und auch aufgewühlt. Es ist einfacher eine Trennung zu akzeptieren, wenn man nicht die ganze Zeit darüber nachdenkt, was falsch gelaufen ist, was man hätte besser machen können und man fragt sich auch die ganze Zeit: Warum um Himmels Willen kommen die Gefühle auf die man über 9 Jahre gewartet hat erst jetzt? Musste dafür wirklich eine Trennung nötig sein, damit man einmal gesagt bekommt, dass man jemanden aufrichtig geliebt hat?

Ich weiß, dass in dir sehr viel Potential steckt, dass du lieben kannst, dass du Menschen zum Lachen bringen kannst, dass du anpassungsfähig bist und das du einen gewissen Grad an Intelligenz hast, sonst hätte ich dir niemals eine Chance gegeben, mich zu lieben. Aber verdammt noch mal benutze deine Skills endlich mal. Am Anfang unserer Beziehung haben wir so viel zusammen gemacht. Auch viel mit Freunden und dass hat mir am Meisten gefehlt. Freunde. Ich brauche Menschen um mich rum. Zweisamkeit ist auch schön, aber auf Dauer zu wenig. Ich hole gerade ein Teil meiner Jugend nach. Ohne mir andauernd den Kopf über meinen Selbsthass und Selbstzerstörung zu zerbrechen. Ich versuche gerade meinen Alltag mit Beschäftigungen zu füllen. Bisher gelingt mir das ganz gut und das Kochbuch habe ich auch schon bevor ich den Brief gelesen haben weiter geführt.

Die Trennung ist zwar hart, aber jetzt muss ich endlich nochmal meinen eigenen Arsch bewegen, wenn ich etwas tun möchte. Ich versuche das wenigstens ein Stück weit positiv zu sehen. Das hört sich zwar sehr traurig an, aber man kann an sowas nur wachsen.

Ich hoffe sehr, dass du dein Leben wieder auf die Reihe kriegst und dir die Hilfe suchst, die du brauchst. Ich weiß, dass du das am liebsten immer alles mit dir selbst ausmachst, dass haben schon viele Menschen vor dir versucht, aber manchmal ist man einfach so tief gefallen, dass man einen Anstoß braucht, um wieder auf die Beine zu kommen.

In diesem Sinne hoffe ich sehr, dass wir uns in besseren Zeiten wieder sehen und ich hoffe sehr, dass es irgendwann wieder eine Zeit gibt, in der wir ein normales Gespräch führen können.

Meine Hoffnung stirbt zu Letzt und ich halte daran fest. Meine Türe ist nie verschlossen, man sollte nur vorher mal kurz anklopfen.

An dieser Stelle findest du kein „Lebe wohl“, weil das immer so endgültige Verabschiedungen sind.
13.7.17 21:28
 
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